Höhlen über dem Meer, ein Strand voller Geschichte,
und ein Satz an der Mauer:
„Today is life – tomorrow never comes.“
Matala ist ein Ort im Wandel.
Im Sommer laut und voller Menschen,
im Winter fast leer, nur Meer und Fels.
Und doch trägt dieser Ort einen Kern,
der nie ganz verschwindet: eine Spur von Zeitlosigkeit, die nicht erklärt werden will.
Matala war lange kaum mehr als ein Fischerdorf am Rand der Insel.
Meer, Wind und die honigfarbenen Felsen über der Bucht – mehr brauchte es nicht.
In den 1960er-Jahren kamen Reisende aus vielen Ländern.
Sie zogen in die von Menschen gehauenen Felskammern über dem Strand,
römische Grabanlagen, die für kurze Zeit zu Wohnräumen wurden.
Gemeinschaft, Musik, Abende am Feuer – ein Leben, das sich am Licht orientierte, nicht an Uhren.
Die Phase war kurz.
Anfang der 1970er wurden die Höhlen geschlossen, Matala wurde ruhiger – und später neu entdeckt.
Heute ist der Ort ein Bade- und Ferienziel, geprägt von Tavernen, Bars, kleinen Hotels.
Und doch blieb etwas zurück. Keine Nostalgie, kein Mythos – eher eine Haltung.
Vielleicht deshalb kehren viele immer wieder zurück:
nicht um etwas zu finden,
sondern um einen Moment zu berühren,
der sie einmal begleitet hat.
Musik begleitet Matala seit den Tagen, als Reisende in den 1960er-Jahren hier nach einem anderen Leben suchten.
1970/71 war Joni Mitchell in Matala; ihr Song „Carey“ (Album Blue, 1971) entstand aus dieser Zeit –
inspiriert vom Mermaid Café und der Gemeinschaft um Cary Raditz.
So wurde Matala Teil der Popgeschichte.
Dieser musikalische Abdruck wirkt bis heute nach – nicht als Programm, sondern als Hintergrund.
Als Idee eines Sommers, der einmal freier gewesen sein soll,
und als Vorstellung eines Ortes, an dem Zeit anders gezählt wurde.
Heute klingt Matala anders.
Im Sommer spielen Musiker vor Bars und Tavernen: Gitarren, Stimmen, Percussion.
Die Musik kommt von Menschen, die hier leben, und von jenen, die nur für eine Saison bleiben.
Einige Tage vor dem jährlichen Festival verändert sich der Ort sichtbar:
Gehwege und Plätze werden bemalt. Die Motive erinnern oft an die frühe Zeit –
Blumen, Symbole, Farben, die den alten Geist nicht zitieren,
sondern neu beleben.
So ist Matala zweierlei: ein lebendiger, moderner Urlaubsort und ein Ort, an dem Musik und Bilder
noch immer als offene Räume existieren.
Einmal im Jahr wird dieser Hintergrundton lauter, wenn der Strand vor den Höhlen zur großen Bühne wird.
An einer Mauer direkt am Meer steht seit Jahrzehnten ein Satz:
„Today is life – tomorrow never comes.“
Wer ihn zuerst schrieb, weiß niemand genau.
Vielleicht stammt er von einem Fischer,
vielleicht von jemandem, der einfach hier lebte.
Sicher ist nur:
Der Satz passt zu Matala, weil man ihn hier versteht, ohne ihn zu erklären.
Im Winter ist Matala fast leer.
Anfang November schließen die Tavernen, Läden und Hotels und bleiben es meist bis Ostern.
Nur ein einziges Café auf der Platia hat durchgängig geöffnet – 365 Tage im Jahr - für die wenigen Menschen, die bleiben.
Es gibt Tage, die fast wie Frühling wirken, und andere, an denen der Wind das Dorf fest im Griff hat.
Das Meer zeigt dann zwei Gesichter: manchmal ruhig wie ein See, manchmal so heftig, dass der Strand verschwindet und Sandsäcke die Rstaurants am Ufer schützen müssen.
Die Höhlen über der Bucht verändern sich nicht, nur das Licht tut es.
In der schrägen Wintersonne leuchten die Felsen gelb und orange, als stünde der Sommer kurz davor, zurückzukehren.
Zwischendurch streichen ein paar Katzen über die Wege –
gelassene Bewohner einer Off-Season, in der Matala fast sich selbst gehört.
Der Ort kennt nur zwei Zustände: alles oder nichts.
Voller Klang im Sommer, fast völlige Ruhe in den kalten Monaten.
Beides gehört zu Matala, und beides erzählt seine Geschichte auf eine Weise,
die leise bleibt –
aber lange nachhallt.