Vielleicht, weil Blau auf Kreta vieles verbindet,
was mich seit Jahren beschäftigt:
Licht, Bewegung, Erinnerung und Stille.
Ich sammle keine Farben, sondern Momente.
Blau ist hier keine Idee,
sondern Teil des Lebens –
und manchmal genügt es,
es einfach zu sehen.
Kreta wird oft über Orte erzählt, über Geschichte oder Landschaft.
Dieses Projekt beginnt anders – bei einer Farbe.
Blau ist auf Kreta allgegenwärtig. Nicht als Motiv, nicht als Stil, sondern als Umgebung.
Es prägt Blickrichtungen, Lichtverhältnisse und Wege.
Es ist Meer und Himmel zugleich – Nähe und Ferne, Öffnung und Grenze.
Myría Kyaní folgt dem Blau nicht, um es zu erklären, sondern um über es Zugang zu finden:
zu Landschaft, Mythos, Geschichte, Alltag und Gefühl.
Die Texte beobachten, sie deuten nicht.
Sie halten sich an das Sichtbare – und an das, was sich dem Zugriff entzieht.
Blau wird hier nicht symbolisch gelesen.
Es wird ernst genommen als Zustand.
Als etwas, das trägt, ordnet, trennt – und verbindet.
Die folgenden Kapitel entfalten dieses Blau aus unterschiedlichen Perspektiven.
Nicht als abgeschlossenes System, sondern als offenen Raum.
Vielleicht, weil es Raum lässt.
Weil es nicht drängt.
Und weil es hilft,
genauer hinzusehen –
ohne etwas festhalten zu müssen.
Es zieht weiter – über Steine, Menschen, Wasser. Wer ihm folgt, findet Geschichten.
„Das Meer, das Meer – wo ist der, der es leerschöpfen könnte?“
— Giorgos Seferis, Mythistorima XX. Andromeda (1935)